02.04.2016 Osterholzer Kreisblatt
Kreislandwirt Warnken über die Naturschutz-Sammelverordnung, die Lage der Milchwirtschaft und die Zukunft der Region

„Ich möchte nicht in der Haut der Politiker stecken“

02.04.2016

„Ich möchte nicht in der Haut der Kreispolitiker stecken“, sagt Stephan Warnken und seine Augen blitzen. „Die müssen bis zum Sommer etwas entscheiden, das keiner von uns in seiner enormen Tragweite überblicken kann.“ Der 43-Jährige ist Kreislandwirt und eher nicht ein Mann der harten Töne. Er gilt als überlegt, als Mittler. Er vertritt eine große Zahl von Landwirten. Viele haben enorme Wut im Bauch, wegen der zusätzlichen naturschutzrechtlichen Einschränkungen, die der Landkreis für das gesamtstaatlich repräsentative Naturschutzgroßprojekt (GR-Gebiet) Hammeniederung in Kraft setzen will und muss. Das, was die Verwaltung nach Ansicht der Landwirte verniedlichend mit „Sammelverordnung“ umschreibt, hat der Bund dem Kreis vor Jahren ins Pflichtenheft geschrieben, als der die Millionenzuschüsse für die Entwicklung des Gebietes einstreichen wollte. „Als Kreislandwirt muss ich mit der Kreisverwaltung im Dialog sein und kann nicht mit der Mistforke auf sie losgehen. Aber die Menschen hier müssen auch nachvollziehen können, dass der Landkreis für sie arbeitet und nicht nur für Tiere und Pflanzen.“

 

„Für unsere Region ist diese Sammelverordnung das folgenreichste Ereignis unserer Zeit und sie wird massive Auswirkungen auf die Zukunft und die Natur um uns herum haben“, sagt Stephan Warnken. Der dreifache Familienvater kann gut nachvollziehen, was in den betroffenen Landwirten vorgeht. Er ist selber einer von ihnen. „Die Tragweite dessen, was da auf uns zukommt, ist für alle Beteiligten kaum zu fassen. Die Unsicherheit groß. Es gibt viele Einzelschicksale. Wir können das alles nur gemeinsam angehen und lösen“, sagt der Mann, der heute in sechster Generation einen Hof in Huxfeld (Gemeinde Grasberg) betreibt. Heute hat er neue Geschäftsfelder erschlossen und gilt als Vorzeigebetrieb mit einem Mix aus Milchwirtschaft, Zucht und Ferienhof. „Nebenbei“ ist er Kreislandwirt. Mit einem verschmitzten Lächeln fügt er hinzu: „Meine Welt war eigentlich in Ordnung – vor diesem Ehrenamt.“

„Wir vom Landvolk haben den Abstimmungsprozess von Anfang an begleitet und geholfen, Härten rauszunehmen,“ weiß Warnken. Die Naturschutzbehörde habe bei der Abwägung der Interessen einen guten Job gemacht. „Aber das Ergebnis muss künftig auch gesellschaftlich getragen werden. Und das sehe ich bedroht.“ Alle Menschen im Landkreis müssten wertschätzen lernen, was sie hier hätten. Da sei noch ein weiter Weg zu gehen. Sorgen mache er sich auch um die künftige Entwicklung der Flächen im Naturschutzgebiet. „Das Herausnehmen der Intensivierung verändert die Landschaft nachhaltig. Was da kommt, weiß keiner.“ Da wo heute ein älterer Landwirt mit dem betagten Trecker noch mähe, reichten die Erlöse nicht für einen neuen Traktor. Dann werde nicht mehr drei Mal gemäht „Und irgendwann müssen in erheblichem Umfang Steuergelder eingesetzt werden, um das wieder gut zu machen, was heute nicht bedacht worden ist.“ Die Frage sei doch: Wie könne man die heutige Landschaft erhalten? „Das ist einfach nicht zu Ende gedacht“, kritisiert der Kreislandwirt. Vielen Landwirten sei nicht plausibel, weshalb derart umfangreiche Naturschutzgebiets-Ausweisungen und die entsprechenden Einschränkungen für die Bewirtschaftung und Nutzung der Flächen überhaupt notwendig seien. Um die Anforderungen für die von Europa eingeforderten FFH-Flächen (FFH: Flora-Fauna-Habitat) zu erfüllen, reichten Flächen im Landschaftsschutz aus, meint der Chef des Landvolkverbandes.

„Ich weiß, wo ich stehe und ich weiß, wo meine Bauern stehen“, umschreibt Stephan Warnken die derzeit kritische Gemengelage. Die geplante Verschärfung der naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen im Teufelsmoor trifft die Milchbauern in einer Zeit der wirtschaftlichen Krise: „Man muss schon gute Nerven haben und solide wirtschaften, um heute als Landwirt in der Milchwirtschaft klarzukommen. Da helfen Baldrian-Pillen alleine kein Stückchen weiter.“

Warnken meint den Wegfall der staatlichen Subventionen und den Verfall der Milchpreise. „Zudem wissen wir nicht, wohin die die Reise geht, wenn wir Millionen investieren sollen, um immer neue Anforderungen zu erfüllen. Wir kommen von der Anbindehaltung der Kühe im Haus und sind heute bei großzügigen Boxenlaufställen mit teuren Dungplatten. Der Verbraucher will hochwertigste Lebensmittel zum kleinsten Preis. Wir sollen nachhaltig wirtschaften und gleichzeitig die Preise senken. Und das, obwohl die Erlöse für Milch und Milchprodukte schon 2015 nicht kostendeckend waren. Immer neue, zusätzliche Auflagen treiben uns in den Ruin.“

Kreislandwirt Warnken versteht, warum „die Leute wieder auf die Straße wollen, um ihren Standpunkt deutlich zu machen“. Es müsse vor allem darum gehen, den Bürgern und Verbrauchern klarzumachen, dass es hier um die Menschen und ihre Zukunft gehe. Um die Bauernfamilien. „Die Bauern leiden still und die Nachfolger in den Familien verweigern sich angesichts der existenziellen Probleme. Ich möchte, dass auch diese Betroffenheit der Landwirte anerkannt wird.“

Bauern fürchten weitere Eingriffe durch den Naturschutz und fordern Planungssicherheit

„Klares Bekenntnis zur Landwirtschaft fehlt“

13.04.2016

Johann und Raimund Lütjen sorgen sich. Die Brüder betreiben einen Biohof in der Gemeinde Vollersode. Mit 70 Kühen produzieren sie Milch und erzielen einen Jahresumsatz von 300 000 Euro. Und: „Über 90 Prozent unserer Flächen liegen im geplanten Schutzgebiet Teufelsmoor“, sagt Johann Lütjen.

 
Sammelverordnung: Hof Lütjen Verlüßmoor © Jaeger, Milan, Milan Jaeger
Johann Lütjen (links) und sein Bruder Raimund auf ihrem Hof in Vollersode. Vor allem die aus ihrer Sicht mit der Sammelverordnung verbundene Ungewissheit bereitet den Brüdern Kopfzerbrechen. (Jaeger, Milan, Milan Jaeger)

Im Prinzip haben die Lütjens nichts gegen Naturschutz, sagen sie, ganz im Gegenteil: „Wir sind bereit Einschränkungen für den Naturschutz in Kauf zu nehmen.“ Der Hof der Brüder ist seit den 1960er Jahren ein Demeter-Hof. „Wir sind in der dritten Generation Öko“, sagt Raimund Lütjen. Der Großvater der Brüder sei vor etwa 50 Jahren aus „purem Idealismus“ auf die biologische Landwirtschaft umgestiegen. Und sie setzen das fort.

Was sie aber an der geplanten Sammelverordnung zum Natur- und Landschaftsschutz in der Hammeniederung und im Teufelsmoor kritisieren, ist: „Der Landkreis hat jederzeit das Recht, weitere Flächen unter Schutz zu stellen, oder die Schutzmaßnahmen zu erhöhen.“ Diese Ungewissheit sehen die Lütjens als existenzbedrohend an: „Wir stellen Investitionen erst einmal zurück.“ Dabei sei doch klar, dass der Betrieb in 30 Jahren dicht gemacht werden müsse, wenn man jetzt nichts in ihn hineinstecke. „Mir fehlt das klare Bekenntnis des Landkreises zur Landwirtschaft“, sagt Johann Lütjen.

Sammelverordnung Hof Tienken © Jaeger, Milan, Milan Jaeger
Jürgen Tienken (links Sohn Hendrik) befürchtet, dass sein Hof nicht mehr tragfähig sein könnte, wenn die Sammelverordnung kommt. (Jaeger, Milan, Milan Jaeger)

Ganz ähnlich geht es da Jürgen Tienken. Er hält in Freißenbüttel 200 Kühe, viele seiner Futterflächen liegen aber ein paar Kilometer von seinem Hof entfernt, im Teufelsmoor. Wenn die Sammelverordnung so beschlossen würde, wie sie aktuell zur Debatte steht, lägen viele seiner Flächen im Naturschutzgebiet. „Von unseren Flächen sind 60 Prozent Grünland und davon liegt die Hälfte im geplanten Naturschutzpark Teufelsmoor“, sagt Tienken. Was ihn besonders ärgert: „Vor drei Jahren habe ich dort unten Flächen gekauft, die dann im Naturschutzgebiet liegen würden.“ Dadurch erleide er einen Wertverlust von „weit über 50 Prozent“. Schließlich kaufe niemand Flächen, die unter Naturschutz stehen.

Bisher sei Tienken mit den Auflagen im Landschaftsschutzgebiet gut klargekommen. „Im neuen Naturschutzgebiet gibt es mehrere Zonen, mit unterschiedlichen Auflagen.“ Beispielsweise dürfe man auf einigen Flächen erst ab einem bestimmten Datum mähen, weil vorher Kraniche dort brüten. Darauf könnte er sich einstellen. „Doch jetzt kann der Landkreis über eine Klausel in der Sammelverordnung die Vorgaben jederzeit ändern.“ Diese Ungewissheit sei für ihn unkalkulierbar. „Was ist in fünf Jahren, was in zehn?“ Erst vor drei Jahren hat Tienken einen neuen Stall gebaut. Die Investition ist für seinen 26-jährigen Sohn gedacht, der mittlerweile in den Familienbetrieb eingestiegen ist.

Grundstuecke sind Mangelware © Ilse Okken
Die Ortschaft Teufelsmoor soll aus dem Geltungsbereich des Landschaftsschutzes rausgenommen werden, fordert die Stadt, teilte Stadtbaurat Sven Uhrhan mit. (Ilse Okken)

Wegen der Naturschutzauflagen sei das Gras von Tienkens Flächen künftig, nach einigen Jahren nicht mehr für seine Kühe geeignet. „Das Gras verliert, wegen der Schutzauflagen, mit den Jahren an Qualität.“ Und damit verlieren Tienkens Flächen an Wert. Das führt den Milchbauer zu der Schlussfolgerung: „Wenn die Sammelverordnung kommt, wie sie nun im Raum steht, würde uns das sehr hart treffen.“ Über kurz oder lang müsste Tienken sein Futter dann von anderen Flächen herbekommen. „Dann müssen wir entweder Futter zukaufen oder auf Flächen ausweichen, die zehn oder mehr Kilometer entfernt liegen.“ Beides hält er nicht nur für unwirtschaftlich, sondern auch ökologisch gesehen für unsinnig.

Ist sein Hof also noch tragfähig, wenn der Landkreis die Sammelverordnung so wie aktuell geplant erlässt? Tienken atmet tief ein und schnaubt. „Nein“, sagt er dann. Wenn er in Zukunft zehn Kilometer weit fahren müsste, um zu seinen Grünflächen zu kommen, sei das nicht wirtschaftlich. Abgesehen vom ökonomischen Faktor: „In Zeiten, in denen wir über Energieverbräuche sprechen, ist das doch unsinnig.“ Letztlich sei Tienken gesprächsbereit, sagt er. Aber: „Der Landkreis muss die Landwirte ins Boot holen.“

Tienken könnte sich wohl aber auf vieles einstellen, das hat er schließlich in den vergangenen Jahren auch hinbekommen. „Wir können mehr, als die Naturschützer denken“, sagt er trotzig. Wenn da nur nicht die Ungewissheit wäre, dass jederzeit weitere Flächen unter Naturschutz gestellt werden können oder der Schutz weiter ausgebaut werden kann. „Als das GR-Gebiet vor etwa 20 Jahren kam, hieß es, dass es darüber hinaus keine weiteren Schutzmaßnahmen geben wird“, erinnert sich Tienken. Heute weiß er, dass das nicht mehr gilt.

Die Ungewissheit ist auch für die Brüder Lütjen das größte Problem. „Ohne diese Zusatzklausel wäre die Sammelverordnung für uns tragbar“, sagt Johann Lütjen. Auch er stellt aber die grundsätzliche Sinnhaftigkeit der zum Schutz der Natur und Umwelt gedachten Verordnung infrage. „Wenn dabei am Ende herauskommt, dass wir Futter zukaufen müssen, ist das nicht im Sinne der Umwelt.“ Aus der Sicht der Brüder sei es besser eine maßvolle Bewirtschaftung, also extensive Landwirtschaft, im Teufelsmoor weiterhin zu sichern. Schließlich sei die Landschaft, die man heute schützen will erst durch die Bewirtschaftung des Moorlandes entstanden. „Leute wie unsere Vorfahren, die als Moorpioniere hierher kamen und mit dem Ackerbau im Moor begannen, haben diese Kulturlandschaft geschaffen.“ Die Lütjens betreiben ihren Hof in der sechsten oder siebten Generation. So genau wissen sie das nicht.

Was bleibt also? Die Lütjens retten sich in Galgenhumor. „Wir würden uns auch umsiedeln lassen“, sagt Johann Lütjen. „Vielleicht werden in Zukunft ja Parkranger gesucht“, meint sein Bruder.

Stadt: Ortschaft Teufelsmoor soll aus Landschaftsschutz raus

Stellungnahme zur Sammelverordnung des Kreises beschlossen

Die Ortschaft Teufelsmoor soll komplett aus dem Landschaftsschutz rausfallen. Diese Forderung stellt die Stadt Osterholz-Scharmbeck in ihrer Stellungnahme zur Sammelverordnung über Natur- und Landschaftsschutzgebiete im Bereich Hammeniederung und Teufelsmoor an den Landkreis Osterholz. In nicht-öffentlicher Sitzung hatten sich die Mitglieder des Verwaltungsausschusses der Stadt „mit sehr großer Mehrheit“ auf diese Formulierung geeinigt.

Eigentlich endete die Frist für die Stellungnahme zur Sammelverordnung am 22. März. Aber der Landkreis hatte der Kreisstadt auf deren Wunsch eine Verlängerung bis zum 11. April eingeräumt. Sie ist nicht die einzige Kommune, die mehr Zeit brauchte. Worpswede bekam eine Verlängerung bis zum 6. April, die Samtgemeinde Hambergen bis 15. April.

„Nach wie vor unterstützen wir weite Teile der Ausweisung“, ging Stadtbaurat Sven Uhrhan auf Nachfrage der Redaktion auf die Inhalte der städtischen Stellungnahme ein. Die Natur sei schließlich ein hohes Gut und ihr Schutz wichtig – nicht zuletzt auch für den Tourismus. Trotzdem sahen Politik und Verwaltung Bedarf für Nachbesserungen.

Die wohl gravierendste: Die Herausnahme der Ortschaft Teufelsmoor – und zwar beiderseits der Teufelsmoorstraße – aus dem Landschaftsschutz. Weder die Vorgaben des Landschaftsschutzgebietes (LSG) Hammeniederung, wie sie laut Kreis-Entwurf östlich der Straße zum Tragen kommen sollen, noch die des LSG Teufelsmoor (westlich der Straße) sollen dort greifen, findet die Stadt. Grund: „Der Rat will sich eine eigene Handlungsgrundlage vorbehalten“, sagte Uhrhan. Losgelöst von irgendwelchen Vorgaben durch ein LSG will die Stadt auf eigene Planungsinstrumente zurückgreifen können, um in dem Ortsteil die Entwicklung vorantreiben zu können. Selbstbestimmt und ohne Einschränkungen – abgesehen von denen, die die Lage im Außenbereich bereits bedingt.

Mit dieser Entscheidung hat der Verwaltungsausschuss nun einen gänzlich anderen Weg eingeschlagen, als der ursprüngliche Entwurf der Verwaltung vorsah. Darin hatte die Verwaltung nur gefordert, beide Teile des Ortes, östlich wie westlich der Straße, dem LSG Teufelsmoor zuzuschlagen, da dieses weniger „restriktiv“ sei als das LSG Hammeniederung. Wichtig war der Stadt in dem Zusammenhang zu betonen, dass ihnen die Vorgaben, die der Landkreis den Landwirten im LSG machen wolle, in ihrer Feinsteuerung zu weit und zu tief gehe. „Sie behindert die Arbeit der Landwirte zu stark“, so Uhrhan.

Ein weiterer Punkt, den die Stadt in ihrer Stellungnahme zur Sammelverordnung aufgreift, betrifft den Bootsverkehr. Im Großen und Ganzen halte sie sich aus diesen Regelungen raus, bemerkte der Stadtbaurat: „Bis auf einen Punkt.“ Für die touristische Entwicklung der Ortschaft Teufelsmoor würden sie es begrüßen, wenn das Befahren der Hamme auch oberhalb der Teufelsmoorstraße bis zum dortigen Campingplatz Teufelsmoor für Motorboote mit einem ständigen Liegeplatz an rechtmäßigen Anliegern des Campingplatzes ausdrücklich erlaubt wäre. Zurzeit heißt es im Entwurf, dass das Befahren der Hamme oberhalb der Teufelsmoorstraße verboten werden soll. Ausnahmen sind vorgesehen. Die Stadt will mit ihrem Einwand sicherstellen, dass der Campingplatz durch die Formulierung „oberhalb der Teufelsmoorstraße“ nicht abgeschnitten wird.

Unverändert halten Politik und Verwaltung zudem daran fest, dass drei Wege, die der Kreis sperren will, offen bleiben.

Sumpfohreule erobert Hamme-Niederung

Sie ist wieder da

19.04.2016

Seit das Naturschutzgroßprojekt Hammeniederung durch Extensivierungen landwirtschaftlicher Flächen oder Wiedervernässungen vorankommt, scheint es auch vermehrt für Sumpfohreulen interessant zu werden.

 
Sumpfohreulen in Eissel gesichtet © Focke Strangmann
Seit das Naturschutzgroßprojekt Hammeniederung durch Extensivierungen landwirtschaftlicher Flächen oder Wiedervernässungen vorankommt, scheint auch dieser Bereich wieder regelmäßig das Brutgebiet der Sumpfohreulen zu werden. (Focke Strangmann)

Die Sumpfohreule ist über die ganze Welt verbreitet. In Deutschland ist sie eher selten anzutreffen. „Fast der gesamte Brutbestand befindet sich im Nordwestdeutschen Tiefland“, berichtet Tasso Schikore. Der Diplom-Biologe beobachtet im Auftrag der Biologischen Station Osterholz (BIOS) die heimische Vogelwelt in der zentralen Hamme-Niederung, besonders im „gewässerreichen Niedermoorbereich zwischen Hamme und Beek inklusive des Naturschutzgebietes „Breites Wasser“.

Die Sumpfohreule bevorzugt – wie ihr Name schon sagt – Moore, Feuchtgrünland und Brachen als Lebensraum. Schwerpunktmäßig kommen die Vögel auf den Ostfriesischen Inseln vor, auf der Schleswigschen Geest und in den Flussniederungen im Bremer Becken. Die Sumpfohreule ernährt sich überwiegend von kleinen Säugern wie Wühlmäusen und Ratten. In der Teufelsmoor-Wümmeniederung stehen besonders Feld-, Erd- und Schermäuse auf ihrem Speiseplan. Die finden sich auf den Feuchtwiesen und Brachen. Weil deren Aufkommen aber stark schwankt, verändert sich auch der Eulenbestand dauernd. In schwachen Mäusejahren weichen Jungvögel oft nach Norwegen, Schweden, Finnland und Russland aus, wo sie mehr Nahrung finden.

Der Brutbestand variiere laufend. „Aufgrund der Kartierungen von 2005 bis 2008 wird der Bestand auf 170 bis 230 Brutpaare in ganz Deutschland geschätzt“, erzählt Schikore. Schon vor 100 Jahren, als die Sumpfohreulen hierzulande noch verbreiteter waren, habe ihre Zahl stark geschwankt. „Für Niedersachsen und Bremen wird ein landesweiter Bestand von derzeit 35 bis 65 Brutpaaren angegeben.“ 25 Prozent des deutschen Brutbestandes findet sich auf den Ostfriesischen Inseln. Durch Eindeichung werden dort weite Teile nicht mehr überflutet. So konnte sich die Wühlmauspopulation in den Dünen vergrößern. Die Nager bieten jetzt 40 bis 50 Sumpfohreulenpaaren Nahrung.

Seit das Naturschutzgroßprojekt Hammeniederung durch Extensivierungen landwirtschaftlicher Flächen oder Wiedervernässungen vorankommt, scheint auch dieser Bereich wieder regelmäßiger als Brutgebiet von den Sumpfohreulen angenommen zu werden. Ihre Bestände haben sich leicht erholt. Sumpfohreulen brüten zwischen Mitte April und Ende Juni. In dieser Zeit wurden in den vergangenen Jahren auch auf den Wümme-Wiesen, im Blockland und in der Ochtum-Niederung wieder mehrere Brutpaare beobachtet. Einige Vögel aus dem Nordosten nutzen im Winterhalbjahr heimische Brachflächen beispielsweise nahe Cuxhaven oder Achim als Schlafplätze, wenn sie hier durchziehen. Das bedeute aber nicht, dass sie dort auch brüten, erklärt der Biologe. Die Anzahl der Vögel im März sei eine andere als im Mai.

Die Sumpfohreule ist tagesaktiv. Ihr Flugstil wird als langsam, „weihenartig-gaukelnd mit kurzen Rüttelphasen“ beschrieben. Normalerweise fliege sie in geringer Höhe über die Vegetation und fixiere ihre Beute, so Schikore und Sonja Maehder. Als Jäger könne sie sich aber auch „rasant“ und „wendig“ in größeren Höhen bewegen, wenn sie fliegende Beutetiere jage. Gelegentlich verfolgen Sumpfohreulen auch Fledermäuse. Die seien allerdings schwieriger zu ergreifen, so der Biologe. Sumpfohreulen gehören zu den „bestandsgefährdeten und gesetzlich streng geschützten Arten“. Ihren Lebensraum gelte es zu bewahren, fordert Tasso Schikore. So gefährdeten beispielsweise jetzt noch Stacheldrähte den niedrigen Flug der Vögel. Angler, Wanderer und Hobbyfotografen störten das Brüten. Und abgemähte Wiesen böten nicht mehr die ausreichende Deckung für die Brutvögel. Solche Störungen müssten künftig verhindert werden. soll sich die Sumpfohreule hier wieder verstärkt ausbreiten.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Bärbel Renken